KfW-Effizienzhaus: Fallen Sie auch auf diesen Trick rein?

Ich liebe Tricks und lass mich auch gerne verzaubern.

Diesen Trick mag ich allerdings gar nicht!

Die meisten Bauherren dagegen schon.

Deshalb bin ich mir ziemlich sicher, dass auch Sie diesen Trick lieben und sogar noch begeistert Beifall klatschen.

Dumm nur, dass dieser Trick sofort ein großes Loch in Ihr Baubudget fräst und auf immer und ewig Ihre Haushaltskasse belastet.

Nur das, blenden Sie vollkommen aus.

Yes, it’s magic.

 Natürlich blenden Sie das nicht bewusst aus.

 

Wie funktioniert dieser Trick?

Haben Sie schon mal einem Zauberer zugeschaut?

Es ist ganz schön brutal, wenn er auf der Bühne seine Assistentin zersägt, oder?

Als Kind habe ich wirklich geglaubt, dass der seine Assistentin echt zersägt. Beruhigt hat mich nur die Tatsache, dass sie immer noch lächeln konnte, obwohl sie gerade zersägt wurde.

Alle guten Tricks, auch dieser, haben offenbar eins gemein.

Die Aufmerksamkeit der Zuschauer wird ganz bewusst vom eigentlichen Geschehen abgelenkt.

Ablenken und Täuschen.

Das Zersägen und die Show außenherum sorgen bei dem Trick für gehörig Ablenkung. Gekonnte Akrobatik und Technik, die hoffentlich funktioniert, tut das Übrige.
Das ist die ganze Magie dabei.

Welche „Magie“ steckt nun hinter dem Trick mit dem KfW-Effizienzhaus?

 

Wie wird Ihre Aufmerksamkeit abgelenkt, damit dieser Trick bei Ihnen funktioniert?

Gut, bei diesem Trick wird jetzt niemand zersägt.

Eine Show, oder vielleicht besser, eine Bühne und Handlungsrahmen, gibt es allerdings schon.

Überlegen Sie mal.

Worauf achten Sie, wenn Sie an den Begriff „KfW-Effizienzhaus“ denken?

Ich mache 3 mögliche Hauptpunkte aus, die für optimale Ablenkung Ihrer Aufmerksamkeit sorgen werden. Es gibt vermutlich noch ein paar mehr.

 

Nummer 1: Sie wollen das Richtige tun

Natürlich wollen Sie das Richtige tun. Was denn sonst.

Und wenn man an jeder Ecke hört, dass ein KfW-Effizienzhaus etwas wirklich Wichtiges ist, na dann wird man doch selbst genauestens darauf achten, auch wirklich so ein KfW-Effizienzhaus zu bauen, oder?

Gerade weil Sie gewissenhaft darauf achten, wird der Trick bei Ihnen perfekt funktionieren.

 

Nummer 2: Der Begriff „Effizienzhaus“

Kein Werbeguru der Welt, hätte wohl einen besseren Begriff für die CO2-Kampagne von Vater Staat erfinden können.

Effizienzhaus, wow!

Der Begriff ist deshalb so gut, weil er genügend Raum für Ihre eigenen Vorstellungen lässt.

Oder woran denken Sie, wenn Sie Effizienzhaus meinen?

Vermutlich haben Ihre Gedanken wenig mit CO2-Einsparung und dem Kyoto-Protokoll zu tun, oder?

Nein, Ihre Gedanken drehen sich vor allem um geringe Heiz- und Verbrauchskosten. Weil Sie wissen, diese Heiz- und Verbrauchskosten müssen Sie auf immer und ewig bezahlen.

Und weil Sie zurecht bei Ihrem Haus auf niedrige Heiz- und Verbrauchskosten achten werden und Ihnen der sparsame Umgang mit Energie zurecht wichtig ist, wird der Trick sehr gut bei Ihnen funktionieren.

 

Nummer 3: Fördergeld vom Staat

Wenn man „billiges Baugeld“ bekommen kann, dann greift man doch zu, oder?

50.000 € sind schon was. Also her damit!

Sehen Sie, schon sind Sie vom eigentlichen Geschehen abgelenkt.

Weil Sie unbedingt das zinsgünstige Darlehen der KfW-Bank haben möchten, wird der Trick bei Ihnen ganz sicher gelingen.

 

Sie sind nun perfekt abgelenkt, weil Sie

  • das Richtige tun wollen
  • den Begriff „Effizienzhaus“ nach Ihren Wünschen interpretieren
  • 50.000 € zinsgünstiges Darlehen haben wollen.

     

Solange Ihr Haus das Schildchen KfW Effizienzhaus 70 um hat, ist für Sie alles in Ordnung. Sie sind glücklich und klatschen begeistert Beifall.

Gleichzeitig übersehen Sie was.

 

Was bewirkt nun eigentlich dieser Trick?

Sie übersehen jetzt etwas Entscheidendes.

Entscheidend deshalb, weil davon der Energiebedarf Ihres Hauses abhängt.
Weil davon letztlich die Höhe der Heizkosten abhängt, die Sie zahlen müssen.

Sie übersehen jetzt einfach, dass Ihr Haus schlecht gedämmt ist, obwohl es das Schildchen KfW-Effizienzhaus trägt.

Wahnsinn, oder?

Ja, das ist eben Magie.

 

Eine gute Dämmung ist für ein KfW Effizienzhaus 70 auch überhaupt nicht notwendig.

Heutige Standardhäuser sind durchweg um ca. 50% besser gedämmt, als die staatliche Mindestanforderung verlangt. Und damit sind sie schon im Standard gut gedämmt.

Nur gerade mal 15% besser als die staatliche Mindestanforderung muss dagegen ein KfW Effizienzhaus 70 gedämmt werden.

Im Verhältnis zum Standard müssen deshalb diese KfW 70 Häuser als schlecht gedämmt eingestuft werden.

Die schlechte Wärmedämmung von KfW70-Häusern ist auch ein Grund dafür, weshalb Sie jetzt noch zusätzlich einiges an Heiz- und Haustechnik einbauen müssen.

Aus einem schlecht gedämmten Haus kann eben ganz leicht ein KfW Effizienzhaus 70 gezaubert werden. Dazu braucht es nur ein Mehr an Heiz- und Haustechnik.

Wenn Sie sich jetzt fragen sollten, warum der Staat dann überhaupt fördert, dann lesen Sie hier.

Die Folgen dieses Tricks sind für Sie natürlich katastrophal.

 

Übrigens: Wenn Ihnen mal erklärt wird, dass die ein oder andere Haustechnik heute Pflicht ist, dann wissen Sie spätestens jetzt, dass die Wärmedämmung Ihres Hauses ziemlich schlecht ist, weit ab vom Standard.

 

Welche Folgen hat der Trick mit dem KfW-Effizienzhaus für Sie?

Sie müssen jetzt nicht nur viel Geld für die Haustechnik, wie Lüftungsanlage, Solaranlage, Wärmepumpe usw. hinlegen und damit Ihr Baubudget unnötig, aber eben massiv, belasten.

Nein.

Jetzt müssen Sie auch noch ständig für deren Unterhalt und Wartung sorgen.

Und das kostet Geld.

Da kommen schnell einige Hundert Euro im Jahr zusammen. Jahr für Jahr!

 

Das sind allerdings nicht Ihre größten Probleme, wenn Sie sich austricksen lassen.

Die 10-15.000 € Mehrausgaben für Heiz- und Haustechnik- Anlagen, die sind ja finanziert und irgendwann „vergessen“.
Die Wartungs- und Unterhaltskosten für diese Anlagen mit etwa 50 € pro Monat sind zwar nicht schön, bringen Sie aber vermutlich nicht um.

Ihr größtes Problem besteht darin, dass Sie jetzt Jahr für Jahr, solange Sie in Ihrem Haus wohnen, relativ hohe Heizkosten zahlen müssen.

schlechte Dämmung = hohe Heizkosten = jetzt nicht wirklich effizient, oder?

Wenn das Haus nur wie ein KfW-Effizienzhaus 70 gedämmt ist, dann sind das zum Standardhaus ca. 35% höhere Heizkosten. Da hilft auch das Schildchen KfW-Effizienzhaus nichts.

Für Sie sind hier 3 kritische Ansatzpunkte von Bedeutung, die Ihren Geldbeutel nachhaltig massiv belasten, solange Sie keine bessere Dämmung aufbringen.

  1. Sie zahlen immer ca. 35%, also etwa 1/3 höhere Heizkosten, als mit einem heutigen Standardhaus.
  2. Bei steigenden Energiepreisen zahlen Sie im Verhältnis zwar immer noch 1/3 höhere Heizkosten, für den eigenen Geldbeutel macht es aber schon einen gehörigen Unterschied, ob Sie 1/3 von zum Beispiel 900 € = 300 € mehr zahlen müssen, oder eben 1/3 von 1200 € = 400 € mehr.
  3. Mit den Heizkosten verhält es sich so, wie mit einem Kredit, bei dem Sie nur die Zinsen zahlen. Von den „Schulden“ kommen Sie niemals runter und müssen deshalb Ihr Leben lang zahlen.

 

Das sollten Sie bei Ihrer Hausplanung wirklich beachten

Bei heutigen Standardhäusern ist die Wärmedämmung durchweg etwa 50% besser, als die staatlich verordneten Mindestwerte der Energieeinsparverordnung 2014 (EnEV 2014).

Die Werte finden Sie hier: EnEV 2014 Anlage 1 Tabelle 1

Wohlgemerkt: In dieser Tabelle stehen nur die zurzeit gültigen Mindestwerte. Fertighäuser sind schon im Standard um etwa 50% besser gedämmt.

 

Hinweis:  Bis 2020 werden die staatlichen Mindestwerte auf das Niveau der heutigen Standardhäuser der Fertighaushersteller angepasst.
Dazu werden im ersten Schritt, am 01. Januar 2016, die staatlichen Mindestwerte gleich um 25% verbessert.

 

Bedenken Sie deshalb schon jetzt den Werterhalt Ihres Hauses und Ihrer Investition.
Sonst ist Ihr Haus schon ein Altbau, noch bevor es überhaupt bezogen ist.

Viele KfW70-Häuser erfüllen nicht mal die Mindestdämmwerte von morgen.
Solche KfW-Effizienzhäuser dürfen deshalb ab 01. Januar 2016 nicht mehr gebaut werden!
Da hilft dann das verheißungsvolle Schildchen „Effizienzhaus“ auch nichts.

 

Setzen Sie Haustechnik nur dann ein, wenn Sie damit einen höheren Komfort für sich erreichen wollen.
Heiz- und Haustechnik ist keinesfalls ein Ersatz für eine gute Wärmedämmung.
Bedenken Sie bei Ihren Überlegungen auch die laufend anfallenden Wartungs- und Unterhaltskosten dieser Anlagen.

 

Wenn Sie sich jetzt fragen, warum dann überhaupt gefördert wird, dann lesen Sie mal den Artikel: KfW-Effizienzhaus: wirklich so effizient?

 

Wenn Sie die 50.000 € von der KfW haben möchten, dann achten Sie unbedingt trotzdem auf eine gute Wärmedämmung, die ca. 50% besser sein sollte, als die heute noch gültigen, staatlich verordneten Mindestdämmwerte der EnEV2014.

 

Bei Ihrer Planung gibt es natürlich noch einiges mehr zu beachten. Eine gute Wärmedämmung ist nur ein kleiner Teil davon.

Wenn Sie noch am Anfang Ihrer Überlegungen stehen, dann könnte mein kostenloses eBook „Wie Sie Ihr Haus planen, wie Sie es wollen – Die 3 Säulen einer guten Planung“ eine gute Hilfe sein.

Darin zeige ich Ihnen einen sicheren Weg auf, wie Sie zu Ihrem Fertighaus kommen, das Sie auch noch glücklich macht.

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Fazit:

Ja, manchmal glaubt man gerne und lässt sich verzaubern.
Nur achten Sie darauf, von wem Sie sich verzaubern lassen und was der Zauber für Sie im Endeffekt bedeutet.

Auch wenn sich das ein oder andere Haus mit so einem Schildchen schmücken will, der Name „KfW-Effizienzhaus“ ist kein verlässlicher Wert für irgendeinen „Energiestandard“, geschweige denn Garant für niedrige Heizkosten.


Nur wer wenig braucht, muss eben wenig bezahlen!

Schildchen hin oder her, da hilft nur eine gute Wärmedämmung!

Bauen Sie Ihr Haus, wie Sie es wollen. Sie entscheiden!

 

Hinweis: Ab 01. April 2016 erhalten Sie 100.000 € von der KfW.
Allerdings gibt es dann keine „Förderung“ mehr für die schlecht gedämmten KfW70-Häuser.
Die vorgeschriebene Mindestanforderung ist schon höher. Deshalb gibt es ab 01. April 2016 keine KfW70-Häuser mehr.

Aus aktuellem Anlass: Wenn Sie sich noch den Tilgungszuschuss für ein KfW-Effizienzhaus 55 sichern wollen, oder nur das günstige Darlehen über 50.000 € für ein KfW70 Haus von der KfW haben wollen, dann muss Ihr Bauantrag bis spätestens 31.12.2015 eingereicht werden. Auch wenn sich die „Förderbedingungen“ erst am 01.04.2016 ändern.
Für die „alten“ Bedingungen ist in jedem Fall der Bauantrag bis 31.12.15 einzureichen. Für Bauanträge, die ab dem 01.01.2016 eingereicht werden, gilt die neue EnEV und damit die ab 01.04.2016 neuen Bedingungen der KfW!

Deutsches Architektenblatt   Autor: Klaus Siegele   
Artikel:  Wärmedämmung und Denkhemmung

Dieser Artikel ist lesenswert und, wie ich finde, wirklich ausgewogen.

 

PS: Eine gute Wärmedämmung ist natürlich wichtig, besonders für die späteren Bewirtschaftungskosten Ihres Hauses. Nur vorher brauchen Sie natürlich ein Haus. Vielleicht wollen Sie einen Bungalow bauen. Hier ein Link zu ideale Bungalowgrundrisse.

2 Gedanken zu “KfW-Effizienzhaus: Fallen Sie auch auf diesen Trick rein?

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